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OTZ Ausgaben Ostthüringen 18.1.2012 vom 18.01.2012

Wissenschaftler untersuchen Schloss Ponitz auf Schäden

Wissenschaftler der Weimarer Bauhaus-Universität prüfen Schloss Ponitz im Landkreis Altenburger Land auf Schäden. Das Schloss ist Referenzobjekt des Forschungsprojektes „Nutzerorientierte Bausanierung“ der Bauhaus-Universität. Die Forscher erproben hier Theorien. Alexander Flohr sucht mit einem kleinen Endoskop hinter sensiblen Deckenvertäfelungen nach Schimmel.

Annäherung von oben

Die Wissenschaftler der Weimarer Bauhaus-Universität sind mit der Untersuchung von Schloss Ponitz einen Schritt weiter. Gestern blickten sie mit Endoskopen hinter historische Wandver-täfelungen.
Von Martin Gerlach

Ponitz. Die Wissenschaftler hätten es gestern in Ponitz auch einfacher haben können. Um herauszubekommen, ob sich in den Hohlräumen hinter der Decke des Festsaals des Schlosses Feuchtigkeit sammelt, hätten sie die Vertäfelung durchbohren oder sie abnehmen können. Das Problem: Es hätte die historische Kassettendecke mit ihren feinen Malereien stellenweise zerstört. Genau deswegen nähern sich die Wissenschaftler von oben.
Das Schloss ist Referenzobjekt des Forschungsprojektes „Nutzerorientierte Bausanierung“ der Bauhaus-Universität.
Informatiker, Architekten, Bauphysiker und Materialforscher erproben hier Theorien. Drei Patente sollen aus dem Projekt entstehen − Konkretes hält die Hochschule noch geheim. Am Schloss gibt es insgesamt 14 Maßnahmen. Mit Hilfe von Endoskopen blickten die Wissenschaftler gestern hinter die Deckenvertäfelung. Dazu bohrten sie kleine Löcher in den Boden des Dachgeschosses. Mit winzigen Endoskopen, wie sie ähnlich konstruiert auch in der Medizin genutzt werden, konnten die Weimarer in die Hohlräume blicken. Das Verfahren ist nicht neu. „In der Denkmalpflege und bei der Ermittlung des Konstruktionszustandes hat die Endoskopie eine große Bedeutung, man braucht nur ein kleines Loch“, sagt Dr. Thomas Baron vom Weimarer Finger-Institut für Baustoffkunde, das zur Bauhaus-Universität gehört. Der Leiter der Arbeitsgruppe Holz und Holzschutz koordinierte gestern die Arbeit der fünf Studenten sowie der anderen drei wissenschaftlichen Mitarbeiter. „Alles verlief nach Plan“, sagte er. Selbstverständlich sei das nicht. Das Setzen der Punkte, an denen gebohrt werden muss, um in die Hohlräume zu gelangen und nicht in dicke Deckenbalken zu stoßen, ist schwierig. Baupläne zu dem 1254 erstmals urkundlich erwähnten Schloss sind praktisch nicht lückenlos vorhanden. Außerdem sei „Altbausubstanz immer gut für eine Überraschung“, sagt Baron. Deshalb wurde die Decke mit einem Georadar untersucht. Elektromagnetische Wellen drangen in das Mauerwerk ein und zeigten die Beschaffenheit. Dabei wollten die Wissenschaftler außerdem herausfinden, ob damit auch Wasserschäden auszumachen sind. Ob es geklappt hat, wollte Baron gestern nicht verraten. Eines aber ist klar: Nässe war hinter der Deckenkonstruktion gestern nicht auszumachen. Für Dr. Roland Mehlig vom Förderverein Renaissanceschloss Ponitz ist das eine Erleichterung. Auch wenn sich aus dem Forschungsprojekt keine direkten Maßnahmen für das Schloss ergeben, sieht er einen Nutzen in der Arbeit für weitere Arbeiten am Schloss.


Weil sie die historische Decke im Festsaal des Schlosses nicht zerstören
wollen, bohren die Wissenschaftler Löcher in den Boden im Dachge-
schoss. Somit können sie Zwischenräume auf Schäden untersuchen.


Die Wissenschaftler verfolgen auf dem Monitor das Bild, dass das Endoskop aus den Hohlräumen
liefert. Einziges Problem: Der Staub, der sich auf die winzige Kamera des Endoskops setzt.
Fotos (4): Martin Gerlach

 

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